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Like us

Bei meiner Recherche zu dem Thema Transgender in Kalkutta stieß ich auf die Organisation People Like Us (PLUS) Kolkata. Die Organisation wurde Ende 2001 gegründet und bemüht sich, die Lebensumstände von Transgendern zu verbessern. Neben anderen Projekten, biete die Organisation einen Rückzugsort für junge Männer, die aufgrund ihrer Geschlechtsidentität Hilfe brauchen. Dieser Ort, ein kleines Gebäude in einem der ärmsten Stadtteile Kalkuttas, wurde zur Basisstation für mein Projekt. Jeden Morgen fuhr ich zu dem „Shelter“ um dort meinen Tag zu verbringen und die Protagonisten meines Projektes kennenzulernen.

Alle Personen, die ich dort traf bezeichneten sich als Transgender.Wenn man bedenkt, dass Frauen in einer Gesellschaft, wie der Indiens in der Regel wenig Rechte besitzen fällt es noch schwerer sich vorzustellen, dass es Männer gibt, die als Frauen leben wollen, ihr Geschlecht ändern möchten Es erschien mir logisch, dass diese jungen Menschen sich den Hijras (das dritte Geschlecht) anschliessen würden. Auch wenn das Leben der Hijras seine Schatten- seiten hat, ermöglicht es den Männern doch ein mehr oder weniger gesellschaftlich anerkanntes Leben. Sie treten so einer Art Familienersatz bei, der die Diskrepanz zwischen dem biologischen Geschlecht und dem ausgelebten toleriert und unterstützt.

Im Shelter, einer Art Notunterkunft lernte ich Bapi, Kartick, Megha, Biplob, Rajkumar, Chiranjit, Prasenjit und Subharthi kennen. Sie alle bezeichneten sich als Transgender, nahmen aber Abstand von der Hijra-Gemeinschaft Sie hatten sehr verschiedene Vorstellun- gen davon in wie weit sie ihr Geschlecht ändern beziehungsweise ihre Geschlechterrolle aus- leben

wollten. Einige nahmen Hormone oder hatten sich bereits einer geschlechtsangleichenden Operation unterzogen, andere hatten noch nicht einmal das Bedürfnis Frauenkleidung zu tragen. Die meisten von ihnen gingen anschaffen, lebten aber noch bei ihren Eltern oder anderen Familienangehörigen, so wie es in Indien üblich ist, bis man heiratet. Manche Eltern wussten, dass ihre Kinder das Gefühl hatten im falschen Körper zu stecken, andere lebten mit ihren Kindern zusammen und wunderten sich hin und wieder über das weibliche Auftreten ihrer Söhne.